
Ein Grundsatz der Ökonomie lautet: Optionen sind wertvoll. Dabei bemisst sich der Wert von Optionen primär nach den Faktoren Zeithorizont und Unsicherheit: Je weiter ein Ereignis entfernt und je unsicherer dessen Ausgang, desto wertvoller die Option. Das gilt auch für politische Handlungsoptionen.
In der Schweizer Energiepolitik sind die Planungshorizonte lang und die Unsicherheiten hoch. Wie viel Strom werden wir in den nächsten 20-30 Jahren brauchen? Schaffen wir es, die notwendigen politischen Allianzen zu schmieden, um die Erneuerbaren schnell genug auszubauen? Welche technologischen und geopolitischen Entwicklungen kommen auf uns zu? Einiges lässt sich abschätzen, vieles bleibt aber unklar, vor allem langfristig.
Es wäre also gerade in der Schweizer Energiepolitik wertvoll, Handlungsoptionen zu schaffen—sofern man die damit verbundenen Risiken reduziert. Die Art und Weise, wie sich die AKW-Neubaudebatte entwickelt, schränkt unsere Handlungsoptionen jedoch unnötig ein und gefährdet damit sowohl Versorgungssicherheit als auch Klimaschutz.
Die Gründe sind nachvollziehbar, aber grösstenteils hausgemacht. Noch ist es nicht zu spät, etwas dagegen zu tun. Es braucht allerdings von beiden politischen Lagern die Einsicht, dass man noch vor der Abstimmung über den indirekten Gegenvorschlag zur “Blackout“-Initiative einen Kompromiss suchen sollte.
Wieso verlieren wir an Handlungsoptionen?
Wenn wir auf ökonomische und verlässliche Weise unsere Stromversorgung sicherstellen und unsere Klimaziele erreichen wollen, wäre die optimale Marschrichtung eigentlich klar: Einerseits dort vorwärts machen, wo Lösungen bereitliegen (Erneuerbare, Speicher, Energieeffizienz, Stromabkommen mit der EU), andererseits dort dranbleiben—aber noch mit Entscheidungen zuwarten—wo Lösungen vielleicht in Zukunft entstehen und gebraucht werden (Kernkraft).
Tatsächlich sehen dies auch bürgerliche Kräfte so, zumindest im offiziellen Narrativ. Der offizielle Plan von Energieminister Rösti sieht denn auch drei Schritte vor: Zuerst das AKW-Neubauverbot kippen, danach eine konkrete Projektevaluation durchführen und schliesslich das Volk im Rahmen eines konkreten Projekts über den AKW-Wiedereinstieg abstimmen lassen—aber nur, wenn ein neues AKW tatsächlich benötigt wird und machbar ist.
Nun zeichnet sich jedoch ab, dass es bei der kommenden Abstimmung de facto direkt um den dritten Schritt gehen wird. Formell wird zwar lediglich über die Aufhebung des Neubauverbots entschieden, die Abstimmung wurde im Verlauf der bisherigen Debatte aber bereits unumkehrbar zum Grundsatzentscheid hochstilisiert. Dass es so weit gekommen ist, liegt vor allem in der Natur der Sache: Für alle involvierten Parteien steht viel politisches Kapital auf dem Spiel, entsprechend gehen alle mit Vehemenz zu Werk.
Es gibt aber noch drei weitere Gründe:
Der erste ist das «Slippery Slope»-Problem, d.h. die durchaus berechtigte Angst von SP, Grünen, GLP und Teilen der Mitte, dass die Aufhebung des AKW-Neubauverbots de facto den AKW-Wiedereinstieg bedeutet und damit auch eine Bremswirkung auf den Ausbau der erneuerbaren Energien hätte. Entsprechend gilt bei vielen Politiker:innen dieser Parteien die Maxime, das Feuer bereits im Keim zu ersticken.
Zweitens wird bis zum Abstimmungstermin maximale Faktenunklarheit herrschen. Für jede glaubwürdige Studie, die das eine sagt, gibt es eine andere, die das Gegenteil behauptet (aktuellstes Beispiel: Reaktion auf SCNAT-Bericht). Durch diese “Studienflut” (SRF) entsteht eine Ambiguität, die den Abstimmungskampf zum “Glaubenskrieg” (NZZ) verkommen lässt, und Glaubenskriege werden mit aller Härte geführt.
Der dritte Grund ist die Haltung des UVEK, wonach für die Projektierung eines neuen AKWs zunächst das Neubauverbot aufgehoben werden muss. Auf den ersten Blick ist das nachvollziehbar: Weshalb Geld ausgeben, wenn nicht klar ist, ob man ein neues AKW überhaupt bauen dürfte? Und doch handelt es sich bei dieser Position um eine polit-taktische Entscheidung: Artikel 12a des Kernenergiegesetzes sagt nämlich lediglich, dass keine neuen Rahmenbewilligungen erteilt werden dürfen und nicht, dass man keine Projektierung vornehmen darf.
Als Resultat all dieser Faktoren sind beide politischen Lager bereits jetzt “all in”. Somit erhält die Abstimmung über die Aufhebung des AKW-Neubauverbots einen existenziellen Charakter und damit viel mehr Gewicht, als sie juristisch eigentlich verdient. Solange diese Abstimmung ein de facto Grundsatzentscheid über den AKW-Wiedereinstieg ist, steht in Bezug auf Versorgungssicherheit und Klimaziele mehr auf dem Spiel, als mit aktuellem Wissensstand optimal wäre.
Ziel muss sein, die Abstimmung vom «Showdown» zum «Pulse Check» zu degradieren, sonst drohen—wie ich hier detailliert darlege—in Bezug auf Versorgungssicherheit und Debarbonisierung nur Pyrrhussiege: Sollte sich das Pro-Lager durchsetzen, wird es zwar ein Mandat des Souveräns haben, ein AKW-Neubauprojekt zu prüfen, jedoch kaum die für die Realisierung eines solchen Vorhabens notwendige breite politische Unterstützung.
Sollten hingegen die AKW-Gegner gewinnen, wäre das AKW-Thema politisch zwar weitere 10 Jahre auf Eis gelegt, damit würde aber nicht automatisch der politische Wille zum beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren steigen. Man muss nämlich konstatieren, dass die Schweiz derzeit keine breit abgestützte Vision davon hat, wie der künftige Energiemix aussehen soll, geschweige denn, wie dieser mehrheitsfähig werden kann.
Wie sieht ein pragmatischer Kompromiss aus?
Ein konstruktiver Umgang mit dem Thema Kernenergie muss drei Kriterien erfüllen: Er muss kohärent mit den realpolitischen und technologischen Gegebenheiten sein, Handlungsoptionen für den Bau neuer AKWs schaffen sowie die Wahrscheinlichkeit minimieren, dass man solche AKWs tatsächlich brauchen wird. Ein Kompromiss, der diese Kriterien erfüllt, besteht aus fünf Säulen.
Vorprojektierung
Erstens soll das UVEK in die Vorprojektierung eines AKW-Neubaus gehen und Antworten auf grundlegende Fragen zu Technologietyp, Standort, Finanzierung, Bau und Endlagerung der radioaktiven Abfälle liefern. Diese Vorprojektierung wird idealerweise als Szenarienanalyse durchgeführt, um verschiedene Optionen auszuarbeiten und die kritischen Erfolgsfaktoren sichtbar zu machen. Entscheidend ist, dass dabei nicht beleuchtet wird, ob sondern unter welchen Umständen ein neues AKW-Projekt entwickelt werden soll.Energiedialog
Zweitens soll Albert Rösti einen neuen strukturierten Dialog über den künftigen Energiemix ins Leben rufen, in Anlehnung an Simonetta Sommarugas “Runden Tisch Wasserkraft”. Dieser Dialog soll mit den wichtigsten Energiepolitiker:innen sowie Stakeholdern aus Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft stattfinden und dabei auch Inputs für die neuen Energieperspektiven liefern, die bis Ende 2027 vorliegen sollen.Innovationsobservatorium
Drittens soll das UVEK Gelder für ein auf 5 Jahre angelegtes “AKW-Observatorium“ sprechen. Bei solchen Observatorien handelt es sich um eine in anderen Bereichen etablierte Form von Innovationsinfrastruktur, deren Aufgabe es ist, Trends zu erfassen, technologische und geopolitische Entwicklungen zu beobachten, Einschätzungen abzugeben und politische Entscheidungsträger zu beraten. Ein AKW-Observatorium müsste ausserhalb der Bundesverwaltung angesiedelt werden und eine überparteiliche Gouvernanz haben. Es würde der Schweiz ermöglichen, sich thematisch «warmzuhalten» und systematisch auf einen politisch breit abgestützten Faktenkonsens hinzuarbeiten.Forschung & Innovation
Viertens sollen über bestehende Fördertöpfe Forschungsprojekte zu AKW-Technologien der 4. Generation unterstützt werden. Diese könnten sowohl in der Schweiz als auch im Ausland stattfinden und sich sowohl technischen als auch sozialen (z.B. Akzeptanz in der Bevölkerung) und operativen (z.B. Standortevaluation) Fragestellungen widmen. Eine Aufhebung des Neubauverbots ist hierfür nicht erforderlich.Begleitmassnahmen Erneuerbare
Als letzte Massnahme soll der Bundesrat das Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren beschleunigen. Handlungsfelder—auch fiskalverträgliche—gäbe es genug, von der Ausweitung des Gebäudeprogramms über zusätzliche Subventionen für Solarenergie bis hin zu einem Verbot von Verbrennerautos.
Mit diesem Kompromiss wären die Bürgerlichen zwar immer noch weit weg von einem neuen AKW, würden aber die Handlungsoption darauf bewahren und zudem die Möglichkeit erhalten, sich die notwendige politische Unterstützung zu erarbeiten. Links/Grün müsste sich weiterhin mit dem für sie leidigen AKW-Thema auseinandersetzen, erhielte jedoch grössere Unterstützung beim Ausbau ihrer bevorzugten Technologien. Das Wichtigste: Die Schweiz würde ihre Handlungsoptionen in Bezug auf Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung maximieren, unabhängig vom Ausgang der Abstimmung über den indirekten Gegenvorschlag.
Wie kann das gelingen?
Ein Kompromiss wird nur dann möglich, wenn sich in beiden politischen Lagern die Einsicht durchsetzt, dass derzeit keine Energiestrategie eine ausreichend breite politische Mehrheit besitzt, um mit der benötigten Geschwindigkeit umgesetzt zu werden, und dass es deshalb im Gesamtinteresse der Schweiz wäre, von den jeweiligen Maximalforderungen abzuweichen und einen Schritt auf die andere Seite zuzugehen.
Bürgerliche müssen sich eingestehen, dass ihr Ruf nach einem neuen AKW zu früh kommt und das von ihnen angeschlagene Tempo zu hoch ist. Ein AKW-Neubau wird in absehbarer Zukunft politisch kaum entscheidbar sein, weil die Unsicherheiten hinsichtlich jedes kritischen Erfolgsfaktors zu hoch bleiben werden. Folglich werden neue AKWs bis 2050 keinen Beitrag zur Schliessung der Winterstromlücke leisten, was einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren erfordert.
AKW-Gegner müssen sich eingestehen, dass sie für die Realisierung ihrer energiepolitischen Vision auf die bürgerlichen Kräfte angewiesen sind und dass ein kategorisches “Nein“ zur Kernkraft dieses Ziel eher gefährden als schützen könnte. Zudem müssen sie einsehen, dass Klimaschutz sowohl in der Schweiz als auch international keine politische Priorität geniesst und es auch aus ökologischer Sicht angezeigt wäre, Handlungsoptionen für die Dekarbonisierung des Energiesystems zu schaffen: Neue AKWs wären für viele eine Katastrophe, aber möglicherweise das kleinere Übel als ein um 2.6°C wärmerer Planet.
Für den langfristigen Erfolg ist jedoch entscheidend, dass das Vertrauen zwischen Albert Rösti und den pragmatischen Politiker:innen von SP, Grünen, GLP und Mitte gestärkt wird. Vielleicht reichen hierfür bereits Gespräche mit den Parteispitzen, wahrscheinlich aber müsste der Energieminister mit einer vertrauensbildenden Massnahme in Vorleistung gehen.
Wirtschaftsverbände wie economiesuisse und Swissmem könnten eine wichtige Vermittlerrolle übernehmen. Sie haben beim Thema Versorgungssicherheit am meisten zu verlieren und deshalb ein Eigeninteresse daran, sich alle Optionen offen zu halten. Allerdings müssten auch sie anerkennen, dass der Weg zu einem neuen AKW steiniger und länger sein wird als erhofft, und dass es noch vor einer Abstimmung zum indirekten Gegenvorschlag einen Richtungswechsel braucht.
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So oder so wird uns das Thema Kernenergie noch lange begleiten, unabhängig vom Ausgang der Abstimmung über den indirekten Gegenvorschlag zur “Blackout”-Initiative. Wir haben die Wahl, uns damit entweder konstruktiv und proaktiv auseinanderzusetzen und es als Handlungsoption zu bewahren, oder es als störendes Hintergrundrauschen in allen künftigen Debatten erdulden zu müssen.
Mit den richtigen Begleitmassnahmen gibt es eigentlich kein gutes Argument, auf diese Handlungsoption zu verzichten. Alles, was es braucht, ist eine lösungsorientierte und kollaborative Haltung, wobei Albert Rösti den Schlüssel zum Erfolg in der Hand hält: Wenn er ihn richtig einsetzt, winkt sogar ein historischer Kompromiss, der die Schweiz unabhängiger, sicherer und nachhaltiger macht.
Débat sur les centrales nucléaires (6) : une proposition de compromis
Pourquoi nous menons mal le débat sur le nucléaire, et ce que nous devrions faire pour y remédier

Un principe fondamental de l’économie veut que les options aient de la valeur. Cette valeur se mesure principalement en fonction de deux facteurs : l’horizon temporel et l’incertitude. Plus un événement est lointain et plus son issue est incertaine, plus l’option a de la valeur. Cela s’applique également aux options d’action politique.
Dans la politique énergétique suisse, les horizons de planification sont longs et les incertitudes élevées. De quelle quantité d’électricité aurons-nous besoin au cours des 20 à 30 prochaines années ? Parviendrons-nous à forger les alliances politiques nécessaires pour développer les énergies renouvelables assez rapidement ? Quelles évolutions technologiques et géopolitiques nous attendent ? Certaines choses peuvent être estimées, mais beaucoup d’autres restent floues, surtout à long terme.
Il serait donc particulièrement utile, dans le cadre de la politique énergétique suisse, de créer des options d’action — à condition d’en réduire les risques associés. Or, la manière dont évolue le débat sur la construction de nouvelles centrales nucléaires restreint inutilement nos options d’action et met ainsi en péril tant la sécurité d’approvisionnement que la protection du climat.
Les raisons sont compréhensibles, mais elles sont en grande partie le fruit de nos propres choix. Il n’est pas encore trop tard pour y remédier. Il faut toutefois que les deux camps politiques prennent conscience de la nécessité de rechercher un compromis avant même le vote sur la contre-proposition indirecte à l’initiative « Blackout ».
Pourquoi perdons-nous nos marges de manœuvre ?
Si nous voulons garantir notre approvisionnement en électricité de manière économique et fiable tout en atteignant nos objectifs climatiques, la ligne de conduite optimale serait en réalité claire : d’une part, aller de l’avant là où des solutions sont déjà disponibles (énergies renouvelables, stockage, efficacité énergétique, accord sur l’électricité avec l’UE) ; d’autre part, rester à l’écoute – mais attendre encore avant de prendre des décisions – là où des solutions pourraient voir le jour et s’avérer nécessaires à l’avenir (énergie nucléaire).
En réalité, les forces de droite partagent également ce point de vue, du moins dans leur discours officiel. Le plan officiel du ministre de l’Énergie Rösti prévoit d’ailleurs trois étapes : Tout d’abord, lever l’interdiction de construire de nouvelles centrales nucléaires, puis procéder à une évaluation concrète des projets et, enfin, soumettre au vote populaire, dans le cadre d’un projet concret, le retour au nucléaire — mais uniquement si une nouvelle centrale nucléaire est réellement nécessaire et réalisable.
Or, il apparaît désormais que le prochain référendum portera, de facto, directement sur la troisième étape. Formellement, la décision ne portera certes que sur la levée de l’interdiction de construire de nouvelles centrales, mais, au cours du débat mené jusqu’à présent, ce référendum a déjà été irrémédiablement présenté comme un vote de principe. Si l’on en est arrivé là, c’est avant tout dû à la nature même du sujet : pour toutes les parties impliquées, l’enjeu politique est considérable, ce qui explique que chacune s’y attelle avec véhémence.
Mais il existe trois autres raisons :
La première est le problème de la « Slippery Slope », c’est-à-dire la crainte tout à fait justifiée du PS, des Verts, du GLP et d’une partie du Centre que la levée de l’interdiction de construire de nouvelles centrales nucléaires signifie de facto un retour au nucléaire et ait ainsi un effet de frein sur le développement des énergies renouvelables. C’est pourquoi de nombreux responsables politiques de ces partis ont pour principe d’étouffer le feu dès son émergence.
Deuxièmement, une grande confusion régnera quant aux faits jusqu’à la date du scrutin. Pour chaque étude crédible qui va dans un sens, il en existe une autre qui affirme le contraire (exemple le plus récent : la réaction au rapport de la SCNAT). Ce «déluge d’études» (SRF) engendre une ambiguïté qui fait dégénérer la campagne référendaire en une «guerre de religion» (NZZ), et les guerres de religion sont menées avec la plus grande virulence.
La troisième raison tient à la position du DETEC, selon laquelle l’interdiction de construire doit d’abord être levée afin de permettre la conception d’une nouvelle centrale nucléaire. À première vue, cela semble logique : pourquoi dépenser de l’argent si l’on ne sait pas encore clairement s’il sera autorisé de construire une nouvelle centrale nucléaire ? Et pourtant, cette position relève d’une décision tactique politique : l’article 12a de la loi sur l’énergie nucléaire stipule en effet uniquement qu’aucune nouvelle autorisation-cadre ne peut être accordée, et non qu’il est interdit de mener des travaux de conception.
En raison de tous ces facteurs, les deux camps politiques sont d’ores et déjà « all in ». Le vote sur la levée de l’interdiction revêt ainsi un caractère existentiel et, par conséquent, une importance bien plus grande que celle qu’il mérite d’un point de vue juridique. Tant que ce vote constituera de facto une décision de principe sur le retour au nucléaire, les enjeux en matière de sécurité d’approvisionnement et d’atteinte des objectifs climatiques seront plus importants que ce qui serait optimal au vu des connaissances actuelles.
L’objectif doit être de faire passer ce vote du statut de « confrontation décisive » à celui de « prise de pouls », sans quoi — comme je l’explique en détail ici — nous risquons, en matière de sécurité d’approvisionnement et de décarbonisation, de n’obtenir que des victoires à la Pyrrhus : Si le camp du « oui » l’emporte, il disposera certes d’un mandat du peuple pour examiner un projet de construction d’une nouvelle centrale nucléaire, mais guère du large soutien politique nécessaire à la réalisation d’un tel projet.
Si, en revanche, les opposants au nucléaire l’emportaient, la question du nucléaire serait certes politiquement gelée encore dix ans, mais cela n’entraînerait pas automatiquement une volonté politique accrue d’accélérer le développement des énergies renouvelables. Il faut en effet constater que la Suisse ne dispose actuellement d’aucune vision largement partagée quant à ce que devrait être le futur mix énergétique, et encore moins quant à la manière dont celui-ci pourrait rallier une majorité.
À quoi ressemble un compromis pragmatique ?
Une approche constructive de la question de l’énergie nucléaire doit répondre à trois critères : être cohérente avec les réalités politiques et technologiques, ouvrir des perspectives pour la construction de nouvelles centrales nucléaires et réduire au minimum la probabilité d’avoir effectivement besoin de telles centrales. Un compromis répondant à ces critères repose sur cinq piliers.
Étude préliminaire
Premièrement, le DETEC doit se lancer dans l’étude préliminaire d’un nouveau projet de centrale nucléaire et apporter des réponses à des questions fondamentales concernant le type de technologie, le site, le financement, la construction et le stockage définitif des déchets radioactifs. Cette étude préliminaire sera idéalement menée sous la forme d’une analyse de scénarios afin d’élaborer différentes options et de mettre en évidence les facteurs critiques de succès. Il est essentiel que cette phase ne vise pas à déterminer si, mais dans quelles circonstances un nouveau projet de centrale nucléaire doit être développé.Dialogue sur l’énergie
Deuxièmement, Albert Rösti doit mettre en place un nouveau dialogue structuré sur le futur mix énergétique, sur le modèle de la «table ronde sur l’énergie hydraulique» de Simonetta Sommaruga. Ce dialogue doit réunir les principaux responsables politiques en matière d’énergie ainsi que les parties prenantes issues de l’industrie, du monde scientifique et de la société civile, et fournir des contributions à l’élaboration de nouvelles perspectives énergétiques, qui doivent être présentées d’ici fin 2027.Observatoire de l’innovation
Troisièmement, le DETEC doit allouer des fonds à un « observatoire des centrales nucléaires » prévu pour une durée de cinq ans. Ces observatoires constituent une forme d’infrastructure d’innovation bien établie dans d’autres domaines, dont la mission est de recenser les tendances, d’observer les évolutions technologiques et géopolitiques, de formuler des évaluations et de conseiller les décideurs politiques. Un observatoire des centrales nucléaires devrait être établi en dehors de l’administration fédérale et disposer d’une gouvernance non partisane. Il permettrait à la Suisse de « rester dans la course » sur ce sujet et d’œuvrer systématiquement à l’établissement d’un consensus factuel bénéficiant d’un large soutien politique.Recherche et innovation
Quatrièmement, des projets de recherche sur les technologies nucléaires de 4e génération devraient être soutenus par les fonds existants. Ceux-ci pourraient se dérouler aussi bien en Suisse qu’à l’étranger et aborder des questions tant techniques que sociales (par exemple, l’acceptation par la population) et opérationnelles (par exemple, l’évaluation des sites). Une levée de l’interdiction de construire de nouvelles centrales n’est pas nécessaire pour ça.Mesures d’accompagnement en matière d’énergies renouvelables
Enfin, le Conseil fédéral doit accélérer le développement des énergies renouvelables. Les axes d’action — y compris ceux compatibles sur le plan fiscal — ne manquent pas, qu’il s’agisse de l’extension du programme de rénovation des bâtiments, de subventions supplémentaires pour l’énergie solaire ou encore d’une interdiction des voitures à moteur à combustion.
Avec ce compromis, les partis bourgeois seraient certes encore loin d’une nouvelle centrale nucléaire, mais ils conserveraient cette option et auraient en outre la possibilité de se forger le soutien politique nécessaire. La gauche et les Verts devraient continuer à se pencher sur la question des centrales nucléaires, qui leur est si pénible, mais bénéficieraient d’un soutien accru pour le développement de leurs technologies de prédilection. Le plus important : la Suisse maximiserait ses options d’action en matière de sécurité d’approvisionnement et de décarbonisation, quelle que soit l’issue du vote sur la contre-proposition indirecte.
Comment y parvenir ?
Un compromis ne sera possible que si les deux camps politiques prennent conscience qu’aucune stratégie énergétique ne bénéficie actuellement d’une majorité politique suffisamment large pour être mise en œuvre à la vitesse requise, et qu’il serait donc dans l’intérêt général de la Suisse de s’écarter de leurs exigences maximales respectives et de faire un pas vers l’autre camp.
Les partis bourgeois doivent admettre que leur appel à la construction d’une nouvelle centrale nucléaire est prématuré et que la vitesse à laquelle ils roulent est trop élevée. La construction d’une nouvelle centrale nucléaire ne pourra guère faire l’objet d’une décision politique dans un avenir proche, car les incertitudes concernant chaque facteur critique de réussite resteront trop élevées. Par conséquent, les nouvelles centrales nucléaires ne contribueront pas à combler le déficit d’électricité hivernal d’ici à 2050, ce qui nécessite un développement plus rapide des énergies renouvelables.
Les opposants au nucléaire doivent reconnaître qu’ils dépendent des forces conservatrices pour réaliser leur vision en matière de politique énergétique et qu’un « non » catégorique au nucléaire pourrait compromettre cet objectif plutôt que de le protéger. De plus, ils doivent reconnaître que la protection du climat, tant en Suisse qu’à l’échelle internationale, ne constitue pas une priorité politique et qu’il serait également judicieux, d’un point de vue écologique, de créer des pistes d’action pour la décarbonisation du système énergétique : de nouvelles centrales nucléaires seraient une catastrophe pour beaucoup, mais pourraient représenter un moindre mal face à une planète dont la température aurait augmenté de 2,6 °C.
Pour garantir un succès à long terme, il est toutefois essentiel de renforcer la confiance entre Albert Rösti et les responsables politiques pragmatiques du PS, des Verts, du GLP et du centre. Des discussions avec les dirigeants des partis suffiraient peut-être à cet effet, mais il est probable que le ministre de l’Énergie doive prendre l’initiative en mettant en place une mesure visant à instaurer la confiance.
Les associations professionnelles telles qu’economiesuisse et Swissmem pourraient jouer un rôle important de médiation. Ce sont elles qui ont le plus à perdre en matière de sécurité d’approvisionnement et ont donc tout intérêt à garder toutes les options ouvertes. Toutefois, elles devraient également reconnaître que le chemin vers une nouvelle centrale nucléaire sera plus semé d’embûches et plus long que prévu, et qu’un changement de cap s’impose avant même le vote sur le contre-projet indirect.
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Quoi qu’il en soit, la question de l’énergie nucléaire continuera de nous occuper pendant longtemps, quelle que soit l’issue du vote sur la contre-proposition indirecte à l’initiative « Blackout ». Nous avons le choix : soit nous abordons cette question de manière constructive et proactive en la conservant comme option d’action, soit nous devons la subir comme un bruit de fond gênant dans tous les débats à venir.
Avec les mesures d’accompagnement adéquates, il n’y a en réalité aucun argument valable pour renoncer à cette option d’action. Tout ce qu’il faut, c’est une attitude axée sur les solutions et la collaboration, et c’est Albert Rösti qui détient la clé du succès : s’il l’utilise à bon escient, un compromis historique pourrait même voir le jour, rendant la Suisse plus indépendante, plus sûre et plus durable.


