AKW-Debatte (1): Es gibt keinen realpolitisch plausiblen Weg zum Neubau von AKWs—selbst mit Mehrheiten in Parlament und Volk
Die Schweiz diskutiert wieder über Kernenergie. Am 11. März 2026 hat der Ständerat mit einer deutlichen Mehrheit von 26 zu 12 Stimmen den bundesrätlichen Gegenvorschlag zur «Blackout-Initiative» gutgeheissen, wodurch er den Bau neuer AKWs grundsätzlich wieder ermöglichen will. Zudem hat letzte Woche der Stromkonzern Axpo verlangt, den Bau neuer Atomgrosskraftwerke ernsthaft zu prüfen.
Das Thema ist also zurück, ob man will oder nicht.
Aber: Selbst wenn das Neubauverbot fiele, gäbe es aus realpolitischer Sicht keinen plausiblen Weg zur Realisierung neuer AKWs in der Schweiz—nicht in den nächsten 30–40 Jahren und wohl auch nicht darüber hinaus.
Weshalb ist das so?
Grund 1: Subventionsunsicherheit
Es ist allen klar, dass neue AKWs massiv subventioniert werden müssten: Gemäss Axpo mit 20-60% der Planungs- und Baukosten von CHF 8.6-12.5 Milliarden für einen Reaktor von der Grösse des KKW-Leibstadt (1.2 GW). Es wäre auch möglich, die Subvention als Betriebskostenzuschuss—zum Beispiel in Form der «gleitenden Marktprämie», wie sie Albert Rösti ins Spiel gebracht hat—oder als Hybrid zwischen Kapital- und Betriebskostensubvention zu strukturieren.
Die genaue Form der Subvention ist jedoch zweitrangig, ebenso wie die Frage, ob sie vom Bund (via Schuldenaufnahme) oder von Konsumenten (via Strompreisaufschläge) finanziert würde. Entscheidend ist einzig, dass sie einen für AKW-Investoren akzeptablen «Business Case» schafft.
Das Problem dabei: Die Subventionshöhe, die für die notwendige Rentabilität erforderlich wäre, liesse sich zum Projektstart nicht klar bestimmen.
Einerseits drohen bei AKW-Projekten immer massive Baukostenüberschreitungen infolge von Verzögerungen, steigenden Sicherheitsanforderungen oder der allgemeinen Teuerung—wie bei Hinkley Point C (GB), Flamanville-3 (FR) oder Olkiluoto 3 (FI), die alle 200–400% teurer und 12–13 Jahre verspätet sind bzw. waren. Andererseits ist die Rentabilität eines AKW im laufenden Betrieb alles andere als gesichert, insbesondere in den Sommermonaten, wenn im europäischen Stromnetz viel Solarstrom zur Verfügung steht.
Privatinvestoren werden solch immense Finanzrisiken nicht tragen—der Staat müsste diese direkt übernehmen oder auf die Stromverbraucher abwälzen. Die Subventionsdebatte ist also in Wirklichkeit eine Risikodebatte: Ein AKW-Projekt ist ein finanzielles Engagement ohne klar definierbare Obergrenze, und ein staatliches Subventionsprogramm könnte zum Fass ohne Boden werden.
In der fiskalkonservativen Schweiz ist es schlicht undenkbar, dass wir uns ausserhalb von akuten Krisenzeiten auf ein solches Experiment einlassen: Für hohe, aber fixe Subventionen liesse sich vielleicht noch eine Mehrheit gewinnen, für eine potenzielle «Milliardenfalle für Stromverbraucher» (NZZ) jedoch nicht.
Nun könnten AKW-Befürworter anmerken, dass die obengenannten Praxisbeispiele allesamt auf einer Nukleartechnologie der Generation III+ (EPR) beruhen und die Generation IV wohl weniger kapitalintensiv, schneller zu bauen und günstiger im Betrieb sein wird. Tatsächlich bringt auch Albert Rösti dieses Argument ins Spiel, wenn er auf die möglichen Vorteile von «Small Modular Reactors (SMRs)» hinweist.
Und tatsächlich ist es möglich, dass der Energieminister recht behalten wird. Aber für den Bau neuer AKWs in den nächsten 30–40 Jahren spielt dies gar keine Rolle.
Wenn es nämlich um Milliardensubventionen geht, sind Versprechen irrelevant: Zu jeder Studie mit positiven Kosten- und Leistungsschätzungen wird es eine geben, die das Gegenteil behauptet. Kein politisches Lager wird auf Basis von Vorhersagen eine Debattenhoheit gewinnen—was für AKW-Befürworter wesentlich problematischer ist als für AKW-Gegner, weil es die Befürworter sind, die das Volk überzeugen müssen.
Und was das Volk einfordern wird, sind verlässliche Fakten, und zwar in Form einer mehrjährigen Erfolgsbilanz («Track Record») hinsichtlich Bauzeit, Baukosten und Sicherheit neuer AKWs. Hierfür wird es nicht ausreichen, auf ein erfolgreiches AKW-Projekt der 4. Generation irgendwo auf der Welt hinzuweisen. Für einen belastbaren «Track Record» braucht es mehrere neue Anlagen in Ländern mit ähnlichen Sicherheitsanforderungen, Baustandards und Kostenstrukturen.
Hier liegt denn auch der Denkfehler von Rösti hinsichtlich der zeitlichen Realisierbarkeit von SMRs: Diese könnten zwar tatsächlich, wie er behauptet, «in den nächsten fünf Jahren weltweit praxistauglich werden». Allerdings heisst praxistauglich noch lange nicht, dass SMRs dann bereits eine «realistische Möglichkeit» für die Schweiz sein werden. Die Schweiz wird—wie üblich—auch bei dieser Technologie kein Early Adopter sein, und es wird nur schon Jahrzehnte dauern, bis die notwendigen Erfahrungswerte ausländischer Projekte vorliegen, damit sich die Schweiz auf ihre eigene 30-jährige AKW-Reise begeben wird.
Grund 2: Lieferengpässe
Was aber, wenn in naher Zukunft ein AKW der 4. Generation selbst die kühnsten Versprechungen bezüglich Bauzeit, Baukosten und Sicherheit erfüllt?
Dann wird sich auf einmal die ganze Welt um die Technologie reissen, und die Schweiz wird sich wohl erst einmal hintenanstellen müssen.
Die industriellen Kapazitäten für den Bau neuer AKWs sind heute nämlich beschränkt: Im Schnitt gehen weltweit lediglich 5-10 neue Atomkraftwerke pro Jahr ans Netz, die meisten davon in Russland, China und Indien. Man darf sich beim Thema Lieferkette auch nicht von den Buchstaben S («small») und M («modular») irreleiten lassen: Auch SMR sind grosse und komplexe Industriebauten (siehe Bild), die nicht von Start-ups und schon gar nicht automatisiert am Fliessband produziert werden können. Viel eher ähneln Struktur und Politik der AKW-Lieferkette derjenigen von Kampfjets: wenige Lieferanten, komplizierte Beschaffung, Kosten- und Lieferunsicherheiten sowie politische Erpressbarkeit.
Was wären also die Optionen?
Politisch ist es undenkbar, die Realisierung des Projekts an russische, chinesische und indische Unternehmen zu vergeben. Auch wird die Schweiz keine eigenen Planungs- und Baukompetenzen aufbauen. Bleiben noch die europäischen Partner, EDF (Hinkley Point C, Flamanville-3) und Areva-Siemens (Olkiluoto 3)—beide mit miserablen Leistungsausweisen. Letzteres wäre in jedem Abstimmungskampf ein wohl übermächtiges Argument der AKW-Gegner.
Es würde Jahrzehnte dauern, bis sich die Lieferkette für Kernenergie so ausgebaut hätte, dass keine signifikanten Engpässe mehr bestünden. Bis dahin würde die Technologie von den wenigen Unternehmen, die AKWs bauen können, an die Höchstbietenden geliefert, beispielsweise Staaten, deren Stromkonsum stärker ansteigt als derjenige der Schweiz (z.B. USA), die dringender auf Bandenergie angewiesen sind (z.B. Polen), oder die ein Arsenal an nuklearen Sprengköpfen unterhalten müssen (z.B. Grossbritannien). Konkurrenten wären auch Unternehmen, für die Strom eine kritische Ressource ist, wie beispielsweise die “AI Hyperscaler”, die bereits heute auf Kernenergie schielen. Andere Länder und nichtstaatliche Akteure haben höhere Zahlungsbereitschaft und strategische Dringlichkeit als die Schweiz und werden deshalb die Regale leerkaufen. Es wäre dieselbe Dynamik, die wir heute bei Patriot-Flugabwehrsystemen und AI-Chips beobachten können.
Albert Rösti mag also durchaus recht haben, wenn er auf die Vorteile von SMR verweist. Das bedeutet aber nicht, dass die Schweiz in nützlicher Frist Zugang zur Technologie erhalten wird. Im Gegenteil: Paradoxerweise würde ein technologischer Durchbruch die Situation für die Schweiz zunächst vielleicht sogar verschlechtern.
Grund 3: Minderheitsveto
Es wäre naiv zu glauben, dass für den Bau eines neuen AKWs eine einfache politische Mehrheit im Parlament und im Volk ausreichen würde. Entscheidend ist nämlich nicht, ob ein Projekt politisch beschlossen werden kann, sondern ob es gegen Widerstand durchsetzbar und planbar bleibt. Es scheint ausgeschlossen, dass sich ein solches Vorhaben ohne die Unterstützung von Links/Grün realisieren lässt.
Das hat nicht primär mit dem beachtlichen Mobilisierungspotenzial von Sozialdemokraten und Grünen (kombiniert mit der fragilen bürgerlichen Mehrheit) in der Atomfrage zu tun. Viel wichtiger ist die fast endlose Liste an demokratisch legitimierten Mitteln—vom zivilen Ungehorsam übereifriger Bürger:innen ganz zu schweigen—mit denen Bewilligung, Bau und Inbetriebnahme eines AKWs so lange verzögert werden können, dass keinerlei Investitionssicherheit mehr besteht. Denn ein Projekt mit einem beliebig verlängerbaren Zeitplan ist nicht finanzierbar.
Entscheidend dabei: Diese Verzögerungsmittel stehen auch politischen Minderheiten offen. Mit anderen Worten: Mehrheitsverhältnisse spielen keine Rolle, die Minderheit bestimmt. Jeder rationale Stromkonzern wird sich hüten, einen AKW-Neubau ins Auge zu fassen, ohne sich der Unterstützung von Links/Grün sicher zu sein. Und solange das links-grüne Lager aus praktischen, technischen, wirtschaftlichen oder ideologischen Gründen den Bau neuer AKWs ablehnt, verfügt es de facto über ein Vetorecht. Da ist es auch egal, dass es wahrscheinlich das Kippen des Neubauverbots nicht verhindern kann.
Zusammenfassung & Fazit
Zusammengefasst: Subventionsrisiken, Lieferengpässe und Vetomöglichkeiten machen AKW-Neubauprojekte institutionell unplanbar. Jeder dieser Faktoren für sich alleine könnte ein solches Vorhaben zum Erliegen bringen, in Kombination machen sie es unter den heutigen politischen, wirtschaftlichen und institutionellen Bedingungen schlicht unentscheidbar. Folglich gibt es keinen realpolitisch plausiblen Weg zur Realisierung neuer AKWs, nicht in den nächsten 30 Jahren, und wohl auch nicht danach.
Allerdings haben es rationale Argumente im Klima- und Umweltschutz aktuell schwer, weshalb davon auszugehen ist, dass uns die AKW-Neubaudebatte noch lange beschäftigen wird. Das ist deshalb ein Problem, weil dadurch eine Bremswirkung auf den Ausbau erneuerbarer Energien entsteht. Somit wären nicht nur das Netto-Null-Ziel in Gefahr, sondern auch die künftige Versorgungssicherheit: Wenn wir nämlich weder ein neues AKW realisieren noch den Ausbau von Wind-, Solar- und Biomassenenergie vorantreiben, besteht die Möglichkeit, dass wir sehenden Auges in die Versorgungslücke schlittern.
Wie können wir also die AKW-Neubaudebatte führen, ohne die langfristige Versorgungssicherheit zu gefährden? Und ist es für Links/Grün wirklich die klügste Strategie, sich vehement gegen das Kippen des AKW-Neubauverbots zu stellen?
Dazu mehr im nächsten Teil.
Débat sur le nucléaire (1) : il n’existe aucune voie réaliste permettant la construction de nouvelles centrales nucléaires—même avec une majorité au Parlement et parmi la population
La Suisse débat à nouveau de l’énergie nucléaire. Le 11 mars 2026, le Conseil des États a approuvé, à une large majorité de 26 voix contre 12, la contre-proposition du Conseil fédéral à l’«initiative Blackout», visant à autoriser à nouveau, en principe, la construction de nouvelles centrales nucléaires. De plus, la semaine dernière, le groupe énergétique Axpo a demandé que la construction de nouvelles grandes centrales nucléaires soit sérieusement envisagée.
Le sujet est donc de retour, qu’on le veuille ou non.
Mais : même si l’interdiction de construire de nouvelles centrales était levée, il n’y aurait, d’un point de vue réaliste, aucune voie plausible pour la réalisation de nouvelles centrales nucléaires en Suisse — ni dans les 30 à 40 prochaines années, ni probablement au-delà.
Pourquoi en est-il ainsi ?
Raison 1 : l’incertitude quant aux subventions
Il est clair pour tout le monde que de nouvelles centrales nucléaires devraient être massivement subventionnées : selon Axpo, à hauteur de 20 à 60 % des coûts de planification et de construction, soit entre 8,6 et 12,5 milliards CHF pour un réacteur de la taille de la centrale nucléaire de Leibstadt (1,2 GW). Il serait également possible de structurer la subvention sous forme de contribution aux coûts d’exploitation — par exemple sous la forme de la «prime de marché variable», telle qu’Albert Rösti l’a mise en avant — ou comme un hybride entre une subvention en capital et une subvention aux coûts d’exploitation.
La forme exacte de la subvention est toutefois secondaire, tout comme la question de savoir si elle serait financée par la Confédération (via un emprunt) ou par les consommateurs (via des surcoûts sur le prix de l’électricité). Seul compte le fait qu’elle crée un « business case » acceptable pour les investisseurs dans le nucléaire.
Le problème : le montant de la subvention nécessaire pour assurer la rentabilité requise ne pourrait pas être clairement déterminé au lancement du projet.
D’une part, les projets de centrales nucléaires sont toujours menacés par d’énormes dépassements de coûts de construction dus à des retards, à des exigences de sécurité accrues ou à l’inflation générale — comme dans le cas de Hinkley Point C (GB), Flamanville-3 (FR) ou Olkiluoto 3 (FI), qui ont tous coûté 200 à 400 % plus cher et ont accusé un retard de 12 à 13 ans. D’autre part, la rentabilité d’une centrale nucléaire en exploitation est loin d’être garantie, en particulier pendant les mois d’été, lorsque le réseau électrique européen dispose d’une grande quantité d’énergie solaire.
Les investisseurs privés n’assumeront pas des risques financiers aussi immenses : l’État devrait les prendre directement en charge ou les répercuter sur les consommateurs d’électricité. Le débat sur les subventions est donc en réalité un débat sur les risques : un projet de centrale nucléaire est un engagement financier sans plafond clairement défini, et un programme de subventions publiques pourrait devenir un puits sans fond.
Dans une Suisse fiscalement conservatrice, il est tout simplement impensable que nous nous engagions dans une telle expérience en dehors de périodes de crise aiguë : on pourrait peut-être encore rallier une majorité en faveur de subventions élevées mais fixes, mais certainement pas pour un «piège à milliards pour les consommateurs d’électricité» (NZZ).
Les partisans du nucléaire pourraient faire remarquer que les exemples pratiques cités ci-dessus reposent tous sur une technologie nucléaire de génération III+ (EPR) et que la génération IV sera sans doute moins coûteuse en capital, plus rapide à construire et moins onéreuse à exploiter. En effet, Albert Rösti avance lui aussi cet argument lorsqu’il évoque les avantages potentiels des « Small Modular Reactors (SMR) ».
Et il est tout à fait possible que le ministre de l’Énergie ait raison. Mais cela n’a aucune importance pour la construction de nouvelles centrales nucléaires au cours des 30 à 40 prochaines années.
En effet, lorsqu’il s’agit de subventions de plusieurs milliards, les promesses n’ont aucune valeur : pour chaque étude présentant des estimations positives en termes de coûts et de performances, il y en aura une autre affirmant le contraire. Aucun camp politique ne parviendra à s’imposer dans le débat sur la base de prévisions – ce qui est bien plus problématique pour les partisans du nucléaire que pour ses opposants, car ce sont les partisans qui doivent convaincre la population.
Et ce que le peuple exigera, ce sont des faits fiables, sous la forme d’un bilan de plusieurs années (« track record ») concernant la durée de construction, les coûts de construction et la sécurité des nouvelles centrales nucléaires. Pour cela, il ne suffira pas de citer un projet de centrale nucléaire de 4e génération couronné de succès quelque part dans le monde. Pour disposer d’un « track record » solide, il faut plusieurs nouvelles installations dans des pays ayant des exigences de sécurité, des normes de construction et des structures de coûts similaires.
C’est là que réside l’erreur de raisonnement de Rösti concernant la faisabilité temporelle des SMR : ceux-ci pourraient certes, comme il l’affirme, « devenir viables à l’échelle mondiale dans les cinq prochaines années ». Cependant, « opérationnels » ne signifie en aucun cas que les SMR constitueront alors déjà une « option réaliste » pour la Suisse. Comme d’habitude, la Suisse ne sera pas une « Early Adopter » dans cette technologie, et il faudra des décennies avant que l’expérience acquise dans le cadre de projets étrangers soit disponible, permettant ainsi à la Suisse de se lancer dans son propre parcours de 30 ans dans le nucléaire.
Raison 2 : les pénuries d’approvisionnement
Mais que se passera-t-il si, dans un avenir proche, une centrale nucléaire de 4e génération tient même les promesses les plus audacieuses en matière de délais de construction, de coûts et de sécurité ?
Le monde entier se précipitera alors sur cette technologie, et la Suisse devra sans doute se mettre en file d’attente.
Les capacités industrielles pour la construction de nouvelles centrales nucléaires sont en effet limitées aujourd’hui : en moyenne, seules 5 à 10 nouvelles centrales nucléaires par an sont mises en service dans le monde, la plupart en Russie, en Chine et en Inde. Il ne faut pas non plus se laisser induire en erreur par les lettres S (« small ») et M (« modular ») lorsqu’il s’agit de la chaîne d’approvisionnement : les SMR sont eux aussi des constructions industrielles imposantes et complexes (voir photo) qui ne peuvent être produites par des start-ups et encore moins de manière automatisée à la chaîne. La structure et la politique de la chaîne d’approvisionnement des centrales nucléaires s’apparentent bien davantage à celles des avions de combat : peu de fournisseurs, un approvisionnement compliqué, des incertitudes en matière de coûts et de livraison, ainsi qu’une vulnérabilité au chantage politique.
Quelles seraient donc les options ?
Sur le plan politique, il est impensable de confier la réalisation du projet à des entreprises russes, chinoises et indiennes. La Suisse ne développera pas non plus ses propres compétences en matière de planification et de construction. Il ne reste donc que les partenaires européens, EDF (Hinkley Point C, Flamanville-3) et Areva-Siemens (Olkiluoto 3) — tous deux avec des bilans désastreux. Cette dernière option constituerait sans doute un argument de poids pour les opposants au nucléaire dans toute campagne référendaire.
Il faudrait des décennies pour que la chaîne d’approvisionnement en énergie nucléaire soit suffisamment développée pour qu’il n’y ait plus de goulets d’étranglement significatifs. D’ici là, la technologie serait fournie par les rares entreprises capables de construire des centrales nucléaires aux plus offrants, par exemple des États dont la consommation d’électricité augmente plus fortement que celle de la Suisse (par ex. États-Unis), qui ont un besoin plus urgent d’énergie de base (par ex. Pologne), ou qui doivent entretenir un arsenal de têtes nucléaires (par ex. Royaume-Uni).
Les concurrents seraient également des entreprises pour lesquelles l’électricité est une ressource critique, comme par exemple les « hyperscalers de l’IA », qui lorgnent déjà aujourd’hui sur l’énergie nucléaire. D’autres pays et acteurs non étatiques ont une capacité de paiement et une urgence stratégique supérieures à celles de la Suisse et videront donc les rayons. Ce serait la même dynamique que celle que l’on observe aujourd’hui avec les systèmes de défense aérienne Patriot et les puces d’IA.
Albert Rösti a donc peut-être tout à fait raison lorsqu’il souligne les avantages des SMR. Cela ne signifie toutefois pas que la Suisse aura accès à cette technologie dans un délai raisonnable. Au contraire : paradoxalement, une percée technologique pourrait même, dans un premier temps, aggraver la situation pour la Suisse.
Raison 3 : le veto minoritaire
Il serait naïf de croire qu’une simple majorité politique au Parlement et parmi la population suffirait pour construire une nouvelle centrale nucléaire. Ce qui est déterminant, ce n’est pas de savoir si un projet peut être décidé politiquement, mais s’il reste réalisable et planifiable face à l’opposition. Il semble exclu qu’un tel projet puisse se concrétiser sans le soutien de la gauche et des Verts.
Cela n’a pas pour l’essentiel à voir avec le potentiel de mobilisation considérable des sociaux-démocrates et des Verts (combiné à la fragile majorité bourgeoise) sur la question nucléaire. Ce qui importe bien davantage, c’est la liste quasi infinie de moyens démocratiquement légitimes – sans parler de la désobéissance civile de citoyens trop zélés – grâce auxquels l’autorisation, la construction et la mise en service d’une centrale nucléaire peuvent être retardées si longtemps qu’il n’y a plus aucune sécurité d’investissement. Car un projet dont le calendrier peut être prolongé à l’infini n’est pas finançable.
Ce qui est déterminant ici, c’est que ces moyens de retardement sont également à la disposition des minorités politiques. En d’autres termes : les rapports de force ne jouent aucun rôle, c’est la minorité qui décide. Toute entreprise d’électricité rationnelle se gardera bien d’envisager la construction d’une nouvelle centrale nucléaire sans être certaine du soutien de la gauche et des Verts. Et tant que le camp de la gauche et des Verts s’oppose à la construction de nouvelles centrales nucléaires pour des raisons pratiques, techniques, économiques ou idéologiques, il dispose de facto d’un droit de veto. Peu importe alors qu’il ne puisse probablement pas empêcher la levée de l’interdiction de construire de nouvelles centrales.
Résumé et conclusion
En résumé : les risques liés aux subventions, les pénuries d’approvisionnement et les possibilités de veto rendent les projets de construction de nouvelles centrales nucléaires institutionnellement imprévisibles. Chacun de ces facteurs pris isolément pourrait faire échouer un tel projet ; combinés, ils le rendent tout simplement indécidable dans les conditions politiques, économiques et institutionnelles actuelles. Par conséquent, il n’existe aucune voie réaliste pour la réalisation de nouvelles centrales nucléaires, ni dans les 30 prochaines années, ni probablement après.
Cependant, les arguments rationnels en matière de protection du climat et de l’environnement ont actuellement du mal à s’imposer, ce qui laisse supposer que le débat sur la construction de nouvelles centrales nucléaires nous occupera encore longtemps.
C’est un problème, car cela freine le développement des énergies renouvelables. Ainsi, ce n’est pas seulement l’objectif de zéro émission nette qui serait menacé, mais aussi la sécurité d’approvisionnement future : en effet, si nous ne construisons pas de nouvelle centrale nucléaire et ne faisons pas progresser le développement des énergies éolienne, solaire et biomasse, il est possible que nous glissions sciemment vers une pénurie d’approvisionnement.
Comment pouvons-nous donc mener le débat sur la construction de nouvelles centrales nucléaires sans mettre en péril la sécurité d’approvisionnement à long terme ? Et est-ce vraiment la stratégie la plus judicieuse pour la gauche et les Verts de s’opposer avec véhémence à la levée de l’interdiction de construire de nouvelles centrales nucléaires ?
Nous y reviendrons dans la prochaine partie.




