AKW-Debatte (4): Das unerwartet Gute an der Sache für Links/Grün
Was progressive Politiker:innen bei der AKW-Debatte gewinnen können
Für viele progressive Politiker:innen ist die Diskussion über einen AKW-Neubau eine gefährliche Zeitverschwendung, aber möglicherweise könnten sie viel von ihr profitieren. Nachfolgend drei Gründe.
1) Green is back!
Noch im März, nach der verlorenen Abstimmung zur Klimafonds-Initiative, schrieb ich:
“Klima- und Umweltschutz haben keine Themenkonjunktur—das Stimmvolk hat aktuell andere Prioritäten. […] Heisst: Der klimapolitische Winter hat begonnen; wir müssen uns warm anziehen.”
Die AKW-Debatte hat dieses Urteil bereits wieder kassiert. Sie bringt nämlich ein Kernanliegen der Nachhaltigkeitsbewegung – die Transformation des Energiesystems – zurück aufs politische Parkett und damit wieder in die Öffentlichkeit.
Das bedeutet zwar nicht, dass das Stimmvolk nun automatisch zur Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien motiviert werden kann. Aber darum geht’s auch gar nicht. Der grösste Gegner der Nachhaltigkeitsbewegung ist nämlich nicht der Gegenwind, sondern das Desinteresse.
Im Rahmen des Abstimmungskampfes zum indirekten Gegenvorschlag zur “Blackout”-Initiative werden wir über zwei unterschiedliche Visionen für das künftige Energiesystem sprechen, insbesondere über die jeweiligen Vor- und Nachteile von Kernkraft und Erneuerbaren. Sozialdemokraten, Grüne und Grünliberale erhalten dadurch eine Plattform für ihre Botschaften zu einer Zeit, in der es sonst schwierig gewesen wäre, die Wählerschaft für Klima- und Umweltthemen zu mobilisieren.
Im Wahljahr 2027 kann das für diese Parteien nur von Vorteil sein. Und wenn nächstes Jahr tatsächlich noch heisser wird als 2026, winkt uns gar eine grüne Welle à la 2019.
2) Reality Check
Der Geist namens “Neues AKW“ schleicht schon seit vielen Jahren durch die Wandelhalle, spätestens seit der Wahl von Albert Rösti in den Bundesrat. Die kürzlich gefassten Entscheide von Ständerat und Nationalrat zum Kippen des AKW-Neubauverbots zwingen uns zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema und damit auch zu einem “Reality Check“ zur Energiestrategie ganz generell.
Es ist zwar davon auszugehen, dass trotz “Studienflut” (SRF) bis zum Abstimmungstermin keine Klarheit darüber herrschen wird, ob ein neues AKW tatsächlich gebraucht wird und was es kosten würde, geschweige denn wo, bis wann und von wem es gebaut werden könnte. Für jede Studie, die das eine sagt, wird es einen Bericht geben, der das Gegenteil behauptet. Auch der von Albert Rösti bis Ende Jahr in Aussicht gestellte Bericht zu Finanzierungs- und Subventionsfragen wird mit vielen Szenarien und Konjunktiven gespickt sein. Trotzdem wird jede tiefergehende Abhandlung den AKW-Geist “sichtbarer” und die Debatte damit auf nützliche Weise konkreter machen.
Gleichzeitig muss man konstatieren, dass der Ausbau der Erneuerbaren ins Stocken geraten ist: 2024 wurde weniger als die Hälfte des Zubauziels erreicht, Windkraft hat nach wie vor einen schweren Stand und auch der Verkauf von Solaranlagen ist rückläufig.
Aktuell haben wir keine Energiestrategie mehr, die in der notwendigen Breite von Parlament, Verwaltung und Volk mitgetragen wird, Kernkraft hin oder her. Die AKW-Debatte bietet die Chance, sich dieser Frage lösungsorientiert und im überparteilichen Rahmen wieder anzunehmen, was im Sinne aller sein sollte.
3) Die Chance auf einen energiepolitischen Kompromiss
Vielleicht winkt sogar die Chance auf einen wegweisenden Kompromiss in der Schweizer Energiepolitik. Denn ein neues Kernkraftwerk lässt sich nur mit einer breit abgestützten politischen Koalition verwirklichen, sonst wären die Rahmenbedingungen zu instabil, um die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit zu gewährleisten.
Aktuell sind die politischen Gegebenheiten jedoch äusserst fragil. Das bürgerliche Lager müsste die Reihen in der Mitte-Partei schliessen und zudem Teile von SP und GLP für das Anliegen gewinnen. Mit anderen Worten: Die politische Minderheit hält ein de facto Vetorecht in der Sache — und damit Verhandlungsmacht.
Dabei ist es hilfreich, dass die Verhandlungsmasse deutlich grösser ist als nur die Frage nach dem künftigen Strommix. Im Kontext von Klima- und Umweltschutz geht es auch um die Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs, die Förderung der Biodiversität, die Stärkung des Gebäudeprogramms, die Regulierung von Umwelttoxinen (z.B. PFAS) sowie die ökologische Reform des Direktzahlungssystems in der Landwirtschaft. Wenn man das Themenfeld noch weiter ausdehnt, könnte man auch die Finanzierung von AHV und Verteidigungsausgaben, die Beziehung zur Europäischen Union, die Reform der Schuldenbremse sowie die Themen Raumplanung und Wohnungsnot in die Verhandlungsmasse einbeziehen.
Das alles sind Themen, die polarisieren. Entsprechend sind sie Teil der Verhandlungsmasse für einen energiepolitischen Kompromiss.
Viele progressive Politiker:innen wollen keine neuen Atomkraftwerke. Was aber, wenn der politische Preis, den die Bürgerlichen dafür zu zahlen bereit sind, hoch genug ist?
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Wir werden noch lange über AKWs diskutieren, sicher bis zur Abstimmung über den indirekten Gegenvorschlag zur “Blackout”-Initiative, wahrscheinlich aber noch viele Jahre darüber hinaus. Das mag für viele Progressive ein Problem darstellen, und tatsächlich gibt es Grund zur Besorgnis, vor allem hinsichtlich einer möglichen Bremswirkung auf den Ausbau der erneuerbaren Energien.
Doch es gibt auch positive Aspekte an der Sache. Klima- und Umweltthemen sind plötzlich wieder relevant und damit auch die Politiker:innen, die diese Anliegen vertreten. Viel wichtiger noch: Die AKW-Debatte ist eine Möglichkeit, das Volk von einer Energiezukunft ohne Kernkraft zu überzeugen und sich damit die breite politische Unterstützung zu sichern, die es für diesen Weg braucht, aber heute fehlt. Vielleicht winkt sogar ein historischer Kompromiss, der Links/Grün in der Endabrechnung besser stellt als noch vor wenigen Monaten.
Débat sur le nucléaire (4) : l’aspect inattendu et positif de la situation pour la gauche et les Verts
Ce que les politiciens progressistes ont à gagner dans le débat sur le nucléaire
Pour de nombreux politiciens progressistes, le débat sur la construction d’une nouvelle centrale nucléaire est une dangereuse perte de temps, mais ils pourraient en tirer un grand profit. Voici trois raisons.
1) Green is back!
En mars dernier, après le rejet de l’initiative sur le fonds climat, j’ai écrit :
« La protection du climat et de l’environnement n’est pas un sujet d’actualité – les électeurs ont d’autres priorités. […] En d’autres termes, l’hiver climatique a commencé ; nous devons nous habiller chaudement. »
Le débat sur le nucléaire a déjà infirmé ce jugement. Il ramène en effet une préoccupation centrale du mouvement pour le développement durable – la transformation du système énergétique – sur la scène politique et, en conséquence, dans l’opinion publique.
Cela ne signifie pas que les électeurs puissent être automatiquement motivés à accélérer le développement des énergies renouvelables. Mais là n’est pas la question. Le plus grand adversaire du mouvement pour le développement durable n’est pas l’opposition, mais le désintérêt.
Dans le cadre de la campagne référendaire sur la contre-proposition indirecte à l’initiative « Blackout », nous aborderons deux visions différentes du futur système énergétique, en particulier les avantages et les inconvénients respectifs de l’énergie nucléaire et des énergies renouvelables. Les sociaux-démocrates, les Verts et les Verts libéraux disposent ainsi d’une tribune pour faire passer leurs messages à un moment où il aurait autrement été difficile de mobiliser l’électorat autour des questions climatiques et environnementales.
En année électorale 2027, cela ne peut être qu’un avantage pour ces partis. Et si, l’année prochaine, il fait effectivement encore plus chaud qu’en 2026, une vague verte à la manière de 2019 pourrait même se profiler à l’horizon.
2) Reality Check
Le spectre de la « nouvelle centrale nucléaire » hante le Parlement depuis de nombreuses années, au moins depuis l’élection d’Albert Rösti au Conseil fédéral. Les décisions récemment prises par le Conseil des États et le Conseil national visant à lever l’interdiction de construire de nouvelles centrales nucléaires nous obligent à nous pencher activement sur la question et, par là même, à procéder à un « Reality Check » concernant la stratégie énergétique en général.
On peut certes partir du principe que, malgré le «déluge d’études» (SRF), aucune clarté ne régnera d’ici la date du scrutin quant à savoir si une nouvelle centrale nucléaire est réellement nécessaire et combien elle coûterait, sans parler de l’endroit où elle pourrait être construite, dans quels délais et par qui. Pour chaque étude qui avance une thèse, il y aura un rapport affirmant le contraire. Même le rapport annoncé par Albert Rösti pour la fin de l’année sur les questions de financement et de subventions sera truffé de nombreux scénarios et de conditionnels. Néanmoins, toute analyse approfondie rendra la question du nucléaire plus « visible » et contribuera ainsi à concrétiser le débat de manière utile.
Dans le même temps, force est de constater que le développement des énergies renouvelables a ralenti : en 2024, moins de la moitié de l’objectif de capacité supplémentaire a été atteint, l’énergie éolienne continue de rencontrer de grandes difficultés et les ventes d’installations solaires sont également en recul.
À l’heure actuelle, nous ne disposons plus d’une stratégie énergétique bénéficiant du soutien nécessaire du Parlement, de l’administration et de la population, avec ou sans l’énergie nucléaire. Le débat sur les centrales nucléaires offre l’occasion de se pencher à nouveau sur cette question dans une optique de recherche de solutions et dans un cadre non partisan, ce qui devrait être dans l’intérêt de tous.
3) L’opportunité d’un compromis en matière de politique énergétique
Peut-être y a-t-il même une chance de parvenir à un compromis historique dans la politique énergétique suisse. En effet, la construction d’une nouvelle centrale nucléaire ne peut se concrétiser qu’avec une coalition politique bénéficiant d’un large soutien ; sans cela, le contexte serait trop instable pour garantir la sécurité nécessaire en matière de planification et d’investissement.
Actuellement, la situation politique est extrêmement fragile. Le camp bourgeois devrait resserrer les rangs au sein du parti du centre et rallier également une partie du PS et des Verts à la cause. En d’autres termes : la minorité politique détient un droit de veto sur cette question — et donc un pouvoir de négociation.
Il est utile de noter que l’enjeu des négociations dépasse largement la simple question du futur mix énergétique. Dans le contexte de la protection du climat et de l’environnement, il est également question de l’électrification du transport individuel motorisé, de la promotion de la biodiversité, du renforcement du programme de rénovation des bâtiments, de la réglementation des substances toxiques pour l’environnement (par exemple les PFAS) ainsi que de la réforme écologique du système des paiements directs dans l’agriculture. Si l’on élargit encore davantage le champ des enjeux, on pourrait également inclure dans la marge de négociation le financement de l’AVS et des dépenses de défense, les relations avec l’Union européenne, la réforme du frein à l’endettement, ainsi que les questions d’aménagement du territoire et de pénurie de logements.
Ce sont là autant de sujets qui polarisent. Ils font donc partie intégrante de la marge de négociation en vue d’un compromis en matière de politique énergétique.
De nombreux politiciens progressistes ne veulent pas de nouvelles centrales nucléaires. Mais que se passerait-il si le prix politique que les politiciens conservateurs sont prêts à payer pour cela était suffisamment élevé ?
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Nous allons encore longtemps débattre des centrales nucléaires, certainement jusqu’au vote sur la contre-proposition indirecte à l’initiative « Blackout », mais probablement bien au-delà. Cela peut poser un problème à de nombreux politiciens progressistes, et il y a effectivement lieu de s’inquiéter, notamment en ce qui concerne un éventuel effet de frein sur le développement des énergies renouvelables.
Mais cette situation présente également des aspects positifs. Les questions climatiques et environnementales sont soudainement redevenues d’actualité, tout comme les politiciens qui défendent ces causes. Plus important encore : le débat sur les centrales nucléaires est l’occasion de convaincre la population d’un avenir énergétique sans nucléaire et de s’assurer ainsi le large soutien politique nécessaire à cette voie. Peut-être même un compromis historique se profile-t-il, qui, au final, placerait la gauche et les Verts dans une meilleure position qu’il y a encore quelques mois.




