Klimaschutz = Finanzfrage
Beim Kampf um den Erhalt von Umwelt, Wohlstand und Unabhängigkeit in der Schweiz geht es ab jetzt fast ausschliesslich um Geld—womit wir beim Problem sind.
UVEK und Finanzdepartement liegen sich wegen der Finanzierung der Klimapolitik ab 2031 in den Haaren. Die Schweizer Stromproduzenten warnen, dass es ohne massive Investitionen in die Produktion und den Transport von Elektrizität bald zu einer Versorgungslücke kommen wird. Im Kanton Luzern stellen FDP und SVP die Solarpflicht infrage, weil sich der von Haushalten erzeugte Strom nicht mehr lukrativ verkaufen lässt. Und am 8. März 2026 stimmen wir über die Klimafonds-Initiative ab.
Diese und weitere Beispiele zeigen: Beim Klima- und Umweltschutz geht es ab jetzt vor allem ums Geld: Wer zahlt? Wer investiert? Wer trägt welches Risiko? Diese Fragen bleiben ungeklärt, vor allem langfristig. Als Resultat davon ist die Schweiz auf Kurs, ihre Klimaziele massiv zu verfehlen.
Wo genau liegt das Problem?
Die Gründe sind vielschichtig. Ganz generell fehlt es an einem tiefen Verständnis dafür, wie viel Geld von welcher Art tatsächlich benötigt wird, um die verschiedenen Wirtschaftssektoren—Energie, Mobilität, Ernährung, Industrie und Gebäudepark—zu transformieren. Es bestehen zudem Lücken bei Finanzinstrumenten, um Risiken neu zu verteilen und Gelder aus der Privatwirtschaft zu mobilisieren. Zudem fehlt es an einem Akteur, der eine dringend benötigte Koordinationsrolle zwischen öffentlicher Hand, Privatwirtschaft und Philanthropie übernimmt.
Hinzu kommt, dass die klimarelevante Gesetzgebung immer komplexer und unübersichtlicher wird. Beispiel: Im Rahmen einer kürzlich beschlossenen Reduktion der Subventionen für Nachtzüge war vielen Parlamentarier*innen nicht klar, dass die Reduktion keine Entlastung des Bundeshaushalts, sondern eine zusätzliche Förderung der Flugbranche zur Folge hat. SVP-Nationalrat Christian Imark brachte es auf den Punkt:
“Wenn selbst Profis nicht genau wissen, was Sache ist, wie soll es dann ein Milizparlament korrekt verstehen?” (via A. Tiefenbacher, in Das Lamm)
Doch es gibt neben der thematischen Komplexität noch andere Gründe, weshalb es bei der Mobilisierung von Klimafinanzen hapert:
In der Schweizer Politik gilt Sparen als wichtiger als Investieren.
Die Bevölkerung schätzt zwar die Schweizer Natur und Landschaft, möchte für deren Schutz aber keine Massnahmen, die wehtun.
Schweizer Banken, Vermögensverwalter, Versicherungen und Pensionskassen sehen für sich keine führende Rolle beim inländischen Klima- und Umweltschutz.
Stiftungen verstehen den Zusammenhang zwischen Finanzflüssen bzw. finanziellen Rahmenbedingungen und Umweltproblemen zu wenig.
“Geld ist nicht das Problem, davon hat es genug in der Schweiz!” lautet ein weit verbreitetes Narrativ. Tatsächlich ist die Schweiz bei Staatsverschuldung (39.2%), Wirtschaftsleistung pro Kopf (USD 91’000) und Durchschnittsvermögen (CHF 687’000) im internationalen Vergleich top. Geld hat es also tatsächlich genug—es fliesst einfach nicht in den Klima- und Umweltschutz. Das Problem ist also nicht, dass wir uns Klima- und Umweltschutz nicht leisten könnten, sondern einfach nicht wollen.
Richtig zuspitzen wird sich das Problem, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass wir kaum ein Drittel unserer Emissionen im Ausland kompensieren können, weil die strukturellen Probleme der CO2-Märkte zu tiefgreifend sind. Aktuell sind in Bezug auf die Zielsetzung bis 2030 lediglich 0.04% dieser Aufgabe erfüllt, zudem fehlen CHF 400 Millionen an zusätzlichen Mitteln. Die Schweiz wird—wie viele OECD-Länder auch—wohl den Hauptteil ihrer Emissionen im Inland reduzieren müssen.
«Der Plan des Bundesrats ist völlig realitätsfern. Die Schweiz wird das Klimaziel nicht erreichen.» Marco Berg, der Chef der Stiftung Klimaschutz und CO₂-Kompensation (Klik), zitiert in Berg 2025.
Wer glaubt, das Problem an der Urne lösen zu können, hat verkannt, dass die Schweizer Bevölkerung zurzeit vor allem mit dem Portemonnaie abstimmt. Gemäss einer aktuellen Umfrage unter 27’000 Schweizerinnen und Schweizern wird eine intakte Natur zwar sehr geschätzt, die grösste Sorge sind aber steigende Lebenshaltungskosten. Klimaschutzmassnahmen, die die Konsumentinnen und Konsumenten zur Kasse bitten, werden in absehbarer Zukunft also keine Chance haben. Man muss versuchen, mit den bestehenden Mitteln mehr herauszuholen.

Wie weiter?
Klima- und Umweltschutz ist ab jetzt also vor allem ein Finanzproblem. Die Lösung dieses Problems hat drei Teile:
Teil 1 — Problembewusstsein stärken: Dass es beim Klima- und Umweltschutz in der reichen Schweiz vor allem am Geld scheitert, ist noch nicht allen klar. Es braucht ein stärkeres Problembewusstsein.
Teil 2 — Politische Rahmenbedingungen schaffen, um Kapital zu mobilisieren: Wie die Schweizerische Bankiervereinigung ermittelt hat, braucht es für die Klima-Transition in der Schweiz über die nächsten 30 Jahre jährliche Investitionen von 12.9 Milliarden Franken. Die Mobilisierung dieser Gelder wird nur als Gemeinschaftsprojekt zwischen Staat, Wirtschaft und Philanthropie gelingen. Hierfür braucht es bessere politische Rahmenbedingungen, innovative Finanzinstrumente sowie eine stärkere Koordination sowohl vertikal über die verschiedenen Staatsebenen (Bund, Kantone, Gemeinden) als auch horizontal zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren (öffentliche Hand, Privatwirtschaft, Philanthropie, Zivilgesellschaft).
Teil 3 — Realitäten akzeptieren: Klima- und Umweltschutz lohnt sich wirtschaftlich und finanziell, muss aber erst einmal finanziert sein. Wir müssen also entweder die Bevölkerung oder die Unternehmen für die von Ihnen verursachten Klima- und Umweltschäden stärker zur Kasse bitten. Und wenn wir das nicht wollen, müssen wir verstärkt auf Verbote zurückgreifen.
Die nächsten zwei Jahre sind entscheidend
Klima- und Umweltschutz ist ein Generationenprojekt. Die klimafinanzielle Weichenstellung muss aber in den nächsten zwei Jahren passieren. Die Komplexität der Thematik ist hoch und es herrscht Klimamüdigkeit im Parlament und in der Bevölkerung. Trotzdem können wir es uns nicht leisten, nicht dranzubleiben. Wir brauchen dringend bessere Antworten zu folgenden Fragen:
Wie viel Finanzkapital, welcher Art, braucht es tatsächlich, damit Klima- und Umweltschutz gelingt?
Wenn sich keine zusätzlichen Bundesmittel für den Klima- und Umweltschutz mobilisieren lassen, wie nützt man die vorhandenen Mittel am besten?
Wie kann die Mobilisierung von Klimainvestitionen vertikal über die verschiedenen Staatsebenen hinweg und horizontal zwischen öffentlicher Hand, Privatwirtschaft, Philanthropie und Zivilgesellschaft gelingen?
Mit welchen politischen Instrumenten lässt sich das Verursacherprinzip stärker umsetzen?
Welche Rolle spielen Banken, Versicherungen und Pensionskassen beim inländischen Klimaschutz?
Welche klimafinanziellen Initiativen, Projekte und Instrumente aus dem Ausland soll die Schweiz kopieren?
Seit 18 Jahren setze ich mich hauptberuflich mit Klima- und Umweltschutz auseinander, während der letzten sieben Jahre an der Schnittstelle zu Finanzthemen. Mit dieser Publikation werde ich Fakten und Meinungen zu den obigen Fragen teilen.
Protection du climat = question financière
La lutte pour la préservation de l’environnement, de la prospérité et de l’indépendance en Suisse est désormais presque exclusivement une question d’argent, ce qui nous amène au cœur du problème.
Le DETEC et le Département fédéral des finances sont en désaccord sur le financement de la politique climatique à partir de 2031. Les producteurs d’électricité suisses mettent en garde contre une pénurie d’approvisionnement si des investissements massifs ne sont pas réalisés dans la production et le transport d’électricité. Dans le canton de Lucerne, le PLR et l’UDC remettent en question l’obligation d’installer des panneaux solaires, car l’électricité produite par les ménages ne peut plus être vendue de manière rentable. Et le 8 mars 2026, nous voterons sur l’initiative pour un fonds climat.
Ces exemples, parmi d’autres, montrent que la protection du climat et de l’environnement est désormais avant tout une question d’argent : qui paie ? Qui investit ? Qui supporte quel risque ? Ces questions restent sans réponse, surtout à long terme. En conséquence, la Suisse est en passe de manquer largement ses objectifs climatiques.
Où est le problème, exactement ?
Les raisons sont multiples. D’une manière générale, on manque d’une compréhension approfondie du montant et du type de financement réellement nécessaires pour transformer les différents secteurs économiques : énergie, mobilité, alimentation, industrie et parc immobilier. Il existe également des lacunes dans les instruments financiers permettant de redistribuer les risques et de mobiliser des fonds du secteur privé. Il manque également un acteur capable d’assumer le rôle de coordination indispensable entre les pouvoirs publics, le secteur privé et les organisations philanthropiques.
À cela s’ajoute le fait que la législation relative au climat devient de plus en plus complexe et confuse. Exemple : dans le cadre d’une réduction récemment décidée des subventions pour les trains de nuit, de nombreux parlementaires n’ont pas compris que cette réduction n’allégerait pas le budget fédéral, mais entraînerait une promotion supplémentaire du secteur aérien. Le conseiller national UDC Christian Imark a résumé la situation en ces termes :
« Si même les professionnels ne savent pas exactement de quoi il retourne, comment un parlement de milice pourrait-il le comprendre correctement ? » (via A. Tiefenbacher, dans Das Lamm)
Mais outre la complexité thématique, il existe d’autres raisons qui expliquent pourquoi la mobilisation des financements climatiques peine à décoller :
Dans la politique suisse, l’épargne est considérée comme plus importante que l’investissement.
La population apprécie certes la nature et les paysages suisses, mais ne souhaite aucune mesure douloureuse pour les protéger.
Les banques, les gestionnaires de fortune, les assurances et les caisses de pension suisses considèrent qu’ils ont un rôle secondaire à jouer dans la protection du climat et de l’environnement au niveau national.
Les fondations ne comprennent pas suffisamment le lien entre les flux financiers ou les conditions-cadres financières et les problèmes environnementaux.
« L’argent n’est pas le problème, il y en a suffisamment en Suisse ! » est un discours largement répandu. En effet, la Suisse se classe en tête des comparaisons internationales en termes de dette publique (39,2 %), de performance économique par habitant (91 000 dollars US) et de patrimoine moyen (687 000 francs suisses par adulte). Il y a donc effectivement assez d’argent, mais il n’est tout simplement pas investi dans la protection du climat et de l’environnement. Le problème n’est donc pas que nous ne pouvons pas nous permettre de protéger le climat et l’environnement, mais simplement que nous ne voulons pas le faire.
Le problème s’aggravera lorsque l’on se rendra compte que nous ne pourrons jamais compenser un tiers de nos émissions à l’étranger, car les problèmes structurels des marchés du CO2 semblent insurmontables. À l’heure actuelle, seuls 0,04 % de cet objectif ont été atteints pour 2030, et il manque 400 millions de francs suisses de fonds supplémentaires. Comme de nombreux pays de l’OCDE, la Suisse devra probablement réduire la majeure partie de ses émissions sur son territoire.
« Le plan du Conseil fédéral est totalement irréaliste. La Suisse n’atteindra pas son objectif climatique. » Marco Berg, directeur de la Fondation pour la protection du climat et la compensation du CO₂ (Klik), cité dans Berg 2025.
Ceux qui pensent pouvoir résoudre le problème par les urnes ont oublié que la population suisse vote actuellement avant tout avec son porte-monnaie. Selon un sondage récent mené auprès de 27 000 Suisses, la préservation de la nature est certes très appréciée, mais la principale préoccupation reste l’augmentation du coût de la vie. Les mesures de protection du climat qui font payer les consommateurs n’ont donc aucune chance d’aboutir dans un avenir proche. Il faut donc essayer de tirer le meilleur parti des moyens existants.

Quelle est la marche à suivre ?
La protection du climat et de l’environnement est désormais avant tout un problème financier. La solution à ce problème comporte trois parties :
Partie 1 — Sensibiliser davantage au problème : tout le monde n’a pas encore conscience que c’est avant tout l’argent qui fait obstacle à la protection du climat et de l’environnement dans un pays riche comme la Suisse. Il faut sensibiliser davantage à ce problème.
Partie 2 — Créer les conditions politiques nécessaires pour mobiliser des capitaux : Comme l’a calculé l’Association suisse des banquiers, la transition climatique en Suisse nécessitera des investissements annuels de 12,9 milliards de francs suisses au cours des 30 prochaines années. La mobilisation de ces fonds ne pourra réussir que dans le cadre d’un projet commun entre l’État, l’économie et la philanthropie. Pour cela, il faut améliorer les conditions-cadres politiques, mettre en place des instruments financiers innovants et renforcer la coordination tant verticale entre les différents niveaux étatiques (Confédération, cantons, communes) qu’horizontale entre les différents acteurs sociaux (pouvoirs publics, secteur privé, philanthropie, société civile).
Partie 3 — Accepter les réalités : La protection du climat et de l’environnement est rentable sur le plan économique et financier, mais elle doit d’abord être financée. Nous devons donc soit faire payer davantage la population, soit les entreprises pour les dommages climatiques et environnementaux qu’elles causent. Et si nous ne voulons pas cela, nous devons recourir davantage à des interdictions.
Les deux prochaines années seront décisives
La protection du climat et de l’environnement est un projet générationnel. Mais les décisions financières en matière de climat doivent être prises au cours des deux prochaines années. Le sujet est très complexe et le Parlement et la population sont lassés par les questions climatiques. Néanmoins, nous ne pouvons pas nous permettre de ne pas persévérer. Nous avons besoin de toute urgence de meilleures réponses aux questions suivantes :
De combien de capital financier, et de quel type, avons-nous réellement besoin pour réussir la protection du climat et de l’environnement ?
Si aucun financement fédéral supplémentaire ne peut être mobilisé pour la protection du climat et de l’environnement, comment utiliser au mieux les fonds disponibles ?
Comment réussir à mobiliser les investissements climatiques verticalement à travers les différents niveaux de l’État et horizontalement entre les pouvoirs publics, le secteur privé et la philanthropie ?
Quels instruments politiques permettent de mieux appliquer le principe du pollueur-payeur ?
Quel rôle jouent les banques, les assurances et les caisses de pension dans la protection du climat au niveau national ?
Quelles initiatives, projets et instruments financiers liés au climat provenant de l’étranger la Suisse devrait-elle reproduire ?
Depuis 18 ans, je m’occupe à titre professionnel de la protection du climat et de l’environnement, et depuis 7 ans, je travaille à l’interface avec les questions financières. Dans cette publication, je partagerai des faits et des opinions sur les questions ci-dessus.



